On-Premise oder Cloud? Die Frage ist falsch gestellt
Nicht alles gehört in die Cloud — und nicht alles in den eigenen Serverraum. Wir entscheiden nach einer einzigen Frage: Muss es aus dem Internet erreichbar sein?
Kaum eine Frage wird in der IT so grundsätzlich diskutiert wie diese — und kaum eine wird so selten sauber beantwortet. «Cloud first» ist seit Jahren die Standardantwort, oft ohne dass jemand nachrechnet. Wir handhaben es umgekehrt und erklären hier, warum.
Unsere Regel in einem Satz
In die Cloud kommt, was von aussen erreichbar sein muss. Alles andere läuft bei dir im Haus.
Das klingt banal, ist aber eine erstaunlich belastbare Trennlinie. Deine Website muss weltweit erreichbar sein, rund um die Uhr, auch wenn bei dir der Strom ausfällt — die gehört in die Cloud. Deine Buchhaltung, eure Projektdaten, das Archiv der letzten zwölf Jahre: Darauf greifen zehn oder fünfzig Leute im Haus zu. Warum sollten diese Daten den Umweg über ein Rechenzentrum in Irland nehmen?
Was in die Cloud gehört
- Websites, Onlineshops und Kundenportale — sie müssen öffentlich erreichbar sein, das ist ihr Zweck.
- E-Mail. Ein eigener Mailserver ist heute mehr Risiko als Nutzen; Microsoft 365 ist hier die vernünftige Wahl.
- Zusammenarbeit über Standorte und Firmengrenzen hinweg: Teams, geteilte Dokumente mit Externen.
- Die Sicherungskopie der Sicherungskopie — eine Kopie ausser Haus, für den Fall, dass im Haus etwas passiert.
Was im Haus bleibt
- Dateiablage und Arbeitsdaten, auf die täglich vom Büro aus zugegriffen wird.
- Branchensoftware und Datenbanken — das ERP, die Warenwirtschaft, die Konstruktionsdaten.
- Virtuelle Server für alles, was intern läuft.
- Die erste Sicherungsstufe, damit eine Wiederherstellung nicht am Internetanschluss hängt.
Warum das meistens günstiger ist
Cloud-Speicher und Cloud-Rechenleistung werden monatlich abgerechnet — jeden Monat, unbefristet. Ein Server im Haus wird einmal gekauft und über mehrere Jahre abgeschrieben. Bei kleinen Datenmengen gewinnt die Cloud diesen Vergleich locker. Bei den Datenmengen, die ein Betrieb mit Konstruktionszeichnungen, Fotos oder Videomaterial ansammelt, kippt es — und zwar oft früher, als man denkt.
Dazu kommt ein Posten, den viele erst auf der Rechnung entdecken: Daten in die Cloud zu schieben ist meist gratis, sie wieder herauszuholen nicht. Wer eines Tages den Anbieter wechseln will, zahlt für den Auszug. Im eigenen Haus stellt sich diese Frage nicht.
Ehrlich bleiben muss man beim Gegenstück: Ein eigener Server verursacht Aufwand. Er braucht Strom, Platz, Wartung, ein Auge auf die Sicherungen und irgendwann Ersatz. Dieser Aufwand verschwindet nicht — er wird nur sichtbarer als eine monatliche Abbuchung. Genau deshalb rechnen wir ihn vor einer Entscheidung mit ein, statt ihn wegzulassen.
Warum es oft auch besser ist
Der Unterschied, den Mitarbeitende täglich spüren, ist die Geschwindigkeit. Eine grosse Datei aus dem eigenen Netzwerk zu öffnen dauert einen Wimpernschlag. Dieselbe Datei über die Internetleitung zu laden dauert spürbar länger — jedes Mal, den ganzen Tag, bei jedem im Betrieb.
Der zweite Unterschied zeigt sich, wenn etwas schiefgeht. Fällt die Internetleitung aus, arbeitet ein Betrieb mit lokalen Daten weiter. Liegt alles in der Cloud, steht er still. Und wenn ein Anbieter eine Störung hat, kann man nur warten — bei eigener Infrastruktur kann man handeln.
Dazu kommt ein Punkt, der in der Schweiz oft den Ausschlag gibt: Du weisst jederzeit, wo deine Daten liegen. Bei Personendaten, Patientendaten oder Konstruktionsunterlagen ist das keine Geschmacksfrage, sondern eine Anforderung.
Wann wir zur Cloud raten — auch für Internes
Die Regel hat Ausnahmen, und wir nennen sie offen. Bei sehr kleinen Betrieben ohne Serverraum, bei Teams, die überwiegend unterwegs oder im Homeoffice arbeiten, bei stark schwankendem Bedarf oder wenn ohnehin ein Umzug ansteht — in all diesen Fällen kann die Cloud auch für interne Daten die richtige Wahl sein.
Was wir nicht empfehlen, ist die Entscheidung nach Mode. «Alles in die Cloud» ist genauso wenig eine Strategie wie «alles bleibt, wie es ist».
Wie wir die Entscheidung treffen
Wir schauen uns an, welche Daten es gibt, wie viele davon täglich bewegt werden, wie viele Leute darauf zugreifen und von wo. Daraus ergibt sich für jeden Bereich eine Empfehlung — und eine Rechnung über mehrere Jahre, in der der Betriebsaufwand für eigene Hardware genauso steht wie die monatlichen Cloud-Kosten.
In der Praxis kommt dabei fast immer eine Mischung heraus. Nicht, weil das ein Kompromiss wäre, sondern weil unterschiedliche Daten unterschiedliche Anforderungen haben.